Weltweit ist die Lebenserwartung weiter angestiegen. Für 2013 ist nunmehr ein Durchschnittswert von 71,5 Jahren errechnet, noch 1990 waren es lediglich 65,3 Jahre (1). Setzt sich dieser Trend fort, so kann bis zum Jahr 2030 die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen auf 85,3 Jahren und für Männer auf 78,1 wachsen. Angesichts dieser günstigen Prognose stellt sich immer drängender die Frage, wie Gesundheit bis ins hohe Alter zu bewahren ist (2). Ein Weg dahin führt über die Minderung der Last von ernährungsbedingten Krankheiten.

Die Neuausgabe der globalen und regionalen Statistik zur ursachenspezifischen Sterblichkeit (GBD) im Jahr 2014 erlaubt einen Einblick in den Anteil von ernährungsbedingten Krankheiten an den zwischen 1990 und 2013 registrierten Todesfällen, spezifiziert für 188 Länder.

Die seit 1990 anwachsende durchschnittliche Lebenserwartung ist im Wesentlichen durch einen signifikanten Rückgang der Sterblichkeit an Atemwegs- und Durchfallerkrankungen bedingt. Dagegen verringern ansteigende Fallzahlen von Diabetes (+9 %), von chronischen Nierenerkrankungen (+36,9 %) und von anderen endokrinen Störungen die Lebenserwartung in vielen Regionen, vor allem in Ozeanien und Zentral-Lateinamerika. Leberzirrhose führt zunehmend häufiger in Osteuropa und Zentralasien zum Tod.

Von den für 2013 insgesamt berichteten Todesfällen in Höhe von 54,9 Millionen werden 11,8 Millionen direkt auf Ernährungsstörungen und auf die von Müttern zu den Neugeborenen übertragbare Krankheiten zurückgeführt. Die höchsten Raten sind in der Region südlich der Sahara aufgrund von Mangelernährung, HIV und Durchfallerkrankungen erreicht. Fast ein Drittel aller Todesfälle weltweit sind durch kardiovaskuläre Erkrankungen verursacht; dabei werden deutliche Zuwächse vor allem bei Vorhofflimmern und bei der periphere arterielle Verschlusskrankheit registriert. Auch für fünf Krebsarten (Non-Hodgkin-Lymphom, Mesotheliom, Nierenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und multiples Myelom) sind die Sterberaten erhöht. Lungenkrebs, in unmittelbarer Verbindung mit dem Tabakkonsum, ist dagegen rückläufig.

Auch wenn die Summe der durch vorzeitige Sterblichkeit verlorenen Lebensjahre  (3) als Maßstab für die Veränderungen in der Sterbestatistik zugrunde gelegt ist, bleibt es offensichtlich, dass zunehmend Krankheiten zu Tode führen, die mittelbar auch mit veränderten Ernährungsgewohnheiten im Zusammenhang stehen. Dazu zählen insbesondere die koronare Herzkrankheit, Hirngefäßerkrankungen, Diabetes, Tumoren der Leber, des Rektums und der Lunge sowie vor allem chronische Nierenerkrankungen. Mangelernährung infolge von Defiziten an Eiweiß ist im Ranking auf Platz 18 von 50 wichtigsten Todesursachen explizit genannt.

Ranking der Ursachen für verlorene Lebensjahre weltweit für 1990 und 2013 im Vergleich (4)

Ranking verlorene Lebensjahres 1990 bis 2013 im Vergleich

Verschiebungen in den Mortalitätsstatistiken weisen darauf hin, dass die Last der ernährungsbedingten Krankheiten zunehmend schwerer wiegt. Ernährungsgewohnheiten zählen neben und in Verbindung mit Umweltfaktoren zu den maßgeblich beeinflussbaren Faktoren für ein langes Leben in Gesundheit. Die Statistiken des Global Burden of Disease (GBD) 2014 bieten weitere Anhaltspunkte für entsprechende gesundheitspolitische Interventionen.

Zum Weiterlesen:

  1. Global, regional, and national age–sex specific all-cause and cause-specific mortality for 240 causes of death, 1990–2013: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2013 GBD 2013 Mortality and Causes of Death Collaborators. The Lancet. Volume 385, No. 9963, p117–171. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(14)61682-2
  2. Im Entwurf der post-2015-Entwicklungsagenda der UN ist das Ziel, bis 2030 die Lebenserwartung in Gesundheit für alle zu erhöhen, explizit genannt. Zur Bewertung vgl. Assmann – Stiftung für Prävention. Das Copenhagen Consensus Projekt und die Gestaltung der post-2015 Entwicklungsagenda [82]. Abrufbar über https://www.assmann-stiftung.de/das-copenhagen-consensus-projekt-und-die-gestaltung-der-post-2015-entwicklungsagenda-82/
  3. Die Summe der verlorenen Lebensjahre, berechnet durch vorzeitige Sterblichkeit in der Bevölkerung (YLL = years of life lost due to premature mortality) bildet einen Eckpunkt für die standardisierte Bewertung der Krankheitslast. Vgl dazu WHO. Metrics: Disability-Adjusted Life Year (DALY). Abrufbar über http://www.who.int/healthinfo/global_burden_disease/metrics_daly/en/.
  4. Figure 10. Top 50 causes of global years of life lost in 1990 and 2013
  5. Die Abbildung ist entnommen aus (1). Direkter link: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2814%2961682-2/fulltext . Eine interaktive Version ist verfügbar über http://vizhub.healthdata.org/gbd-compare/