Demenzerkrankungen stellen nicht nur eine globale medizinische, sondern auch eine riesige gesundheits- und sozialpolitische Herausforderung dar, bestätigt das Treffen der G8 – Nationen am 11. Dezember 2013 in London (1).
Mehr als 35 Millionen weltweit sind derzeit von der Diagnose Demenz betroffen, eine Zahl, die sich innerhalb der nächsten zwanzig Jahre verdoppeln könnte. Medikamente, die die Erkrankung verzögern oder sogar heilen, sind bislang noch nicht gefunden. Von den 604 Milliarden Dollar, die weltweit jährlich für das Gesundheitswesen aufgewendet werden, entfallen rund 70 % allein auf die medizinische und soziale Versorgung von Demenzpatienten.  Bei steigenden Patientenzahlen und längerer Lebensdauer wird Demenz allmählich auch zum Problem für die staatlichen Haushalte der führenden Industrienationen, so die Einschätzung.

Die  G8- Gesundheitsminister, Wissenschaftler, Vertreter von Pharma-Unternehmen und von Wohltätigkeitsorganisationen aus der ganzen Welt haben sich nun mit der Problematik beschäftigt, wie die Sozialsysteme den Folgen von globalem Altern und der damit verbundenen Verbreitung von Demenzerkrankungen angepasst werden können, wie die Lebensqualität und die Versorgung der von Demenz Betroffenen verbessert werden kann und – wie durch Prävention die Demenzerkrankungen verzögert und vermindert werden können.

Aktuellste Ergebnisse der präventivmedizinischen Forschung bieten Ansatzpunkte zur Kontrolle der so genannten Demenzepidemie (2). Daran anknüpfend wird geschätzt, dass eine präventivmedizinisch erlangte Verzögerung des Beginns von Demenzerkrankungen um bis zum 2 Jahre die globale Krankheitslast im Jahr 2050 um 22,8 Millionen verringern kann.

Das Hauptaugenmerk der gemeinsamen Anstrengungen wird, so weist es die gemeinsame Erklärung ebenso aus wie das Kommunique, auf der Intensivierung der Forschungsfinanzierung und der Forschungsinfrastruktur liegen (3).

Die G 8 – Staaten einigten sich auf folgendes Vorgehen:

–       bis zum Jahr 2025 ein wirksames Heilmittel oder eine die Krankheit modifizierende Therapie zu finden

–       das staatliche Budget für Demenzforschung deutlich zu erhöhen

–       die Zahl der klinischen Studien zu vergrößern und den Kreis der Probanden in diesen Studien zu erweitern

–       einen internationalen Aktionsplan für die Demenzforschung zu entwickeln und den Austausch von Informationen und Daten aus der Demenzforschung zu intensivieren

–       den öffentlichen Zugang (Open Access) zu Ergebnissen der staatlichen Demenzforschung zu beschleunigen

–       Innovationsbeauftragte zu benennen, die nach dem Muster der globalen Beauftragten für HIV und den Klimawandel Innovationen zur Verbesserung der Lebensqualität für Menschen mit Demenz fördern.

In enger Zusammenarbeit mit der WHO, der EU und der OECD sollen drei sektorübergreifende forschungsfördernde Partnerschaften initiiert werden,

–       um neue Modelle der Prävention und der Pflege zu entwickeln (Vorsitz: Japan)

–       um die Vernetzung von Wissenschaft und Industrie zu vertiefen (gemeinsamer Vorsitz: Kanada, Frankreich) und

–       um Investitionen zur Minderung sozialer Folgen zu steuern (Vorsitz: Großbritannien).

An die ehrgeizigen Ambitionen des G8 – Gipfels knüpft unmittelbar das neue  Forschungsprogramm Horizont 2020 an, das vom Europäischen Parlament zeitgleich am 11. Dezember 2013 beschlossen wurde (4). Horizont 2020 sieht eine Steigerung der EU – Ausgaben für Forschung und Innovationen um 27 % auf 80 Milliarden Euro vor. Im Mittelpunkt stehen gesamtgesellschaftliche Herausforderungen, wie auch das Gesünder leben in einer alternden Gesellschaft. Die Förderlinie Innovative Medicines Initiative 2 (IMI2) etwa soll die Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Industrie in der Forschung und Entwicklung von neuen Antibiotika und – von Medikamenten gegen die Alzheimererkrankung fördern.

Zum weiteren Lesen:

(1)  www.bmg.bund.de/ministerium/presse/pressemitteilungen/2013-04/gemeinsam-gegen-demenz.html

(2)  Larson Eric B at all: New Insights into the Dementia Epidemic. In: New England Journal of Medicine, November 27, 2013DOI: 10.1056/NEJMp1311405 und
http://www.assmann-stiftung.de/die-stille-epidemie-praevention-als-schluessel-zur-kontrolle-von-demenzerkrankungen-61/

 

(3)  www.dementiachallenge.dh.gov.uk

 

(4)  www.forschungsrahmenprogramm.de/horizont2020.htm