Zum Abschluss der Women’s  Health Initiative (WHI)

Hormonersatztherapien werden nach wie vor zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Fragen etwa, wie sich diese Hormongaben langfristig auch auf die Prävention von chronischen Krankheiten in der Menopause auswirken könn(t)en, sind nicht endgültig beantwortet.

Das Journal der American Medical Association (JAMA) veröffentlicht jetzt einen umfassenden Abschlussbericht zu den Hormonersatzstudien der Women`s Health Inititaive (WHI) (1).

Die Autoren, eine Forschergruppe um JoAnn E. Manson, MD, Dr.PH, von Brigham and Womens Hospital, Boston werteten neben den primären Studiendokumenten in einer Post-Interventions-Follow-up Analyse ergänzend die Gesundheitsparameter von 27.347 postmenopausalen Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahre aus 40 US-amerikanischen WHI – Zentren aus.

Zum einen wurden die kombinierte Wirkung von Östrogen und Progesteron bei Frauen mit einer intakten Gebärmutter und zum anderen die Wirkung von Östrogen allein bei Frauen nach einer Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) mit der Gabe von  Placebos bis zu einem kumulativen Follow-up nach 13 Jahren am 30. September 2010 verglichen.

8.506 Frauen mit einer intakten Gebärmutter erhielten konjugierte equine Östrogene (CEE; 0,625 mg / d) zuzüglich Medroxyprogesteronazetat (MPA; 2,5 mg / d) im Vergleich zu Placebo (n=8.102). 5.310 Probandinnen mit vorheriger Hysterektomie erhielten lediglich CEE (0,625 mg / d) im Vergleich zu Placebo (n=5.429).

Aus den Untersuchungsergebnissen schlussfolgern die Autoren abschließend, dass Hormonersatztherapien allein nicht für die Prävention von chronischen Krankheiten in der Menopause empfohlen werden können, weil die gesundheitlichen Nachteile die Vorteile überwiegen.

Erhöhte Risikowerte wurden insbesondere für die koronare Herzkrankheit, Brustkrebs, Schlaganfall, Lungenembolie, Demenz (bei Frauen 65 Jahre und älter), Erkrankungen der Gallenblase und für Harninkontinenz verzeichnet. Hüftfrakturen, Diabeteserkrankungen und vasomotorischen Symptome traten nach den Hormongaben weniger auf. Ebenso wurde eine altersspezifische Abhängigkeit der Wirkung von Hormonersatztherapien beobachtet. Bei der alleinigen Gabe von CEE an jüngere Frauen im Alter 50-59 Jahren sank das Risiko für Herzinfarkt und Tod jeglicher Ursache geringfügig ab.

Hormonersatztherapien bleiben auch nach der Auswertung der WHI – Studien vor allem eine Option zur Behandlung von mittelschweren bis schweren Symptomen bei ansonsten gesunden Frauen in der frühen Menopause (2).

Die Women’s Health Initiative (WHI) gehört zu den umfangreichsten US-amerikanischen Präventionsstudien. Initiiert von National Institute of Health  (NIH) wurden rund 625 Millionen US-Dollar für die Forschung aufgewendet  und mehr als 160.000 Frauen als Studienteilnehmerinnen rekrutiert. Die WHI Datensätze sind öffentlich zugänglich und bilden die Quelle für bislang mehr als 900 peer-reviewed Berichte.

Dank der WHI – Studien zählt die Hormonersatztherapie nicht nur zu der am besten untersuchten Medikamentation in der Geschichte. Die Woman’s  Health Initiative bietet zugleich auch ein Modell für Präventionsstudien im Dienste der öffentlichen Gesundheit, schreibt Elizabeth G. Nabel, MD, von der Harvard Medical School Boston, in einem begleitenden Editorial (3).

Quellen:

  1. Manson JE, Chlebowski RT, Stefanick ML, et al. Menopausal hormone therapy and health outcomes during the intervention and extended poststopping phases of theWomen’s Health Initiative randomized trials. In: JAMA. 2013; 310 (13):1353-1368. doi: 10.1001/jama.2013.278040
  2. Für Deutschland: Leitlinien-Detailansicht: Hormontherapie (HT) in der Peri- und Postmenopause. (gültig bis 01.09.2014)
    http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-062.html (zugegriffen 14. Oktober 2013).
  3. Nabel EG. The Women’s Health Initiative—A Victory for Women and Their Health. In:  JAMA. 2013; 310 (13) :1349-1350. doi: 10.1001/jama.2013.278042