Enkelinnen verhalten sich häufiger sozial auffällig, wenn ihre Omas mütterlicherseits während der Schwangerschaft geraucht haben. Und dies unabhängig davon, ob ihre Mütter schwanger zu Zigaretten griffen oder nicht. Wie das Journal Scientific Reports jetzt aus einer britischen Mehrgenerationen-Studie berichtete, hatten Zigaretten rauchende Großmütter um bis zu rund drei Viertel häufiger Enkeltöchter, die in ihrer sozialen Interaktion eingeschränkt waren oder durch häufige Verhaltenswiederholungen auffielen, als die Nichtraucherinnen (1). Ihre Enkel hingegen nahmen keinen Schaden.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der Tabakkonsum die DNA in den Mitochondrien von Embryos schädigen kann, deren Folgen sich allerdings erst Generationen später zeigen. Sie sehen sich in der Ansicht bestätigt, dass die derzeit zu beobachtende rasante Zunahme von autistischen Störungen insbesondere auf Langzeitwirkungen von Umweltfaktoren auf das Erbgut zurückzuführen ist (2).

Heute lässt sich eine Vielzahl mehr an wissenschaftlich begründeten Argumenten anführen, weshalb Schwangere auf das Rauchen verzichten sollten, als noch vor Jahrzehnten. So wird der Zigarettenkonsum der werdenden Mutter nicht nur in Verbindung mit Fehl- und Frühgeburten gebracht, sondern auch mit Langzeitrisiken für das Neugeborene, etwa mit einer lebenslang größeren Anfälligkeit für chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Asthma, Allergien, Leukämien und mehr (3).

Dieser Liste von möglichen dauerhaften Folgen des Rauchens in der Schwangerschaft fügt die Mehrgenerationen-Studie Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC), aus Bristol nun einen weiteren Aspekt hinzu. Großmütter, die während der Schwangerschaft rauchten, können im Erbgut ihres ungeborenen Kindes Veränderungen auslösen, die erst eine Generation später, bei den Enkelinnen, sichtbare Spuren hinterlassen und dabei autistische Verhaltensstörungen begünstigen.

In der ALSPAC-Studie werden rund 14.000 Kinder seit ihrer Geburt begleitet und die Ergebnisse wiederum auch im Kontext der über mehrere Generationen zurück reichenden Familiengeschichte interpretiert. In einer Vorstudie war dabei u.a. eine geschlechtsspezifische Weitergabe von Nikotin assoziierten Merkmalen beobachtet worden. So wiesen die Enkel von Großmüttern, die während ihrer Schwangerschaft rauchten, beispielsweise schon als Embryo im Bauch ihrer nichtrauchen Mütter und später während der Pubertät ein überdurchschnittliches Wachstum auf (4). Inwieweit sich dieses Muster eignet, um auch Erkrankungen aus den generationsübergreifenden Belastungen durch Umweltfaktoren, wie z.B. Rauchen, erklären zu können, untersuchten die Wissenschaftler nun anhand der Verteilung autistischer Verhaltensstörungen bei Enkelkindern.

Vier Merkmalsgruppen sind zugrunde gelegt wurden, um diese Verhaltenssauffälligkeiten zu bewerten: die soziale Kommunikation, das Sprachvermögen, das Temperament und sich wiederholendes Verhalten. Zusammen mit der Charakteristik von 170 Kindern, bei denen Autismus diagnostiziert worden war, bildeten Skalenwerte dieser Merkmalsgruppen die Datenbasis für den Abgleich mit dem Raucherverhalten der Eltern und Großeltern. Aus der Analyse ergab sich eine Verbindung zwischen dem Zigarettenkonsum der Großmütter während der Schwangerschaft und den geistig-sozialen Beeinträchtigungen der Enkelinnen, unabhängig davon, ob die Mütter zu Zigaretten gegriffen hatten oder nicht. Auch das Raucherverhalten der Großmutter väterlicherseits blieb ohne Einfluss.

Rauchten die Großmütter, waren ihre Enkelinnen überdurchschnittlich oft eingeschränkt in ihrer sozialen Kommunikation und fielen durch ein sich ständig wiederholendes Verhalten auf. Der männliche Nachwuchs hingegen zeigten keine gravierenden Abweichungen von sozialen Normen. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Rauchen Mutationen in der DNA der Mitochondrien auslösen kann, die nur über die Mütter an die nächste Generation weitergegeben werden. Während diese Veränderungen in der ersten Generation noch folgenlos bleiben, könnten sie sich in der zweiten oder auch dritten manifestieren. Ob sich bei den Urenkelinnen Spuren der in der Schwangerschaft rauchenden Großmütter finden lassen, wird derzeit untersucht.

Prinzipiell sind die Mechanismen der transgenerativen Weitergabe von umweltbedingten Erbgutveränderungen weitestgehend noch ungeklärt. Unstrittig bleibt: Die Studienergebnisse liefern ein zusätzliches Motiv, während der Schwangerschaft nicht zu rauchen – im Interesse der Gesundheit künftiger Enkelinnen.

Zum Weiterlesen:

(1) J Golding et al. Grand-maternal smoking in pregnancy and grandchild’s autistic traits and diagnosed autism. Scientific Reports 7, Article number: 46179 (2017) doi:10.1038/srep46179.. Abrufbar über https://www.nature.com/articles/srep46179

(2) Verweisen wird auf HO Atladottir et al. The increasing prevalence of reported diagnoses of childhood psychiatric disorders: a descriptive multinational comparison. Eur Child Adolesc Psychiatr. 24, 173–83 (2015). Doi:10.1007/s00787-014-0553-8.

(3) Zur Einschätzung des gesundheitlichen Wirkens des Rauchens vgl. auch Assmann-Stiftung für Prävention. Rauchen. Blog. Abrufbar über http://www.assmann-stiftung.de/rauchen/ und Erbgutveränderungen durch das Rauchen in der Schwangerschaft. Blog. Abrufbar über https://www.assmann-stiftung.de/erbgutveraenderungen-durch-das-rauchen-in-der-schwangerschaft-129/

(4) J Golding et al. The anthropometry of children and adolescents may be influenced by the prenatal smoking habits of their grandmothers: A longitudinal cohort study. Am J Human Biol. 26, 731–39 (2014). DOI: 10.1002/ajhb.22594.